Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer
research and writings on art, architecture and politics


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Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (ÖZG)
15. Jg. Heft 3 / 2004
Innsbruck: Studienverlag, ISBN 3-7065-1980-1
www.studienverlag.at

Ästhetik des Politischen
Herausgegeben von Anna Schober

Mit Beiträgen von Gustavo Castagnola, Anna Schober, Juan A. Suárez, Linda M.G. Zerilli, Oliver Marchart, Kari Palonen, Christine Lemke, Dragoljub Raša Todosijević, Sven Lütticken, Jasmina Čubrilo, Ivan Čolović, C. Angelmaier, Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer sowie einem Briefwechsel zwischen Jean-Luc Nancy und Anna Schober




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Inventing S-E-X
Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer



Editorial
Anna Schober

Jede politische Handlung ist zugleich eine ästhetische, zumindest seit jenem Zeitrahmen, den wir,wenn wir historische Ungleichzeitigkeiten und plurale parallele Entwicklungsschichten berücksichtigen, als »Bruch hin zur Moderne« skizzieren können. Ob wir es nun mit Demonstrationen, Hausbesetzungen, öffentlichen Reden, Fernsehauftritten, Straßen-Performances, Versammlungen oder mit Filmen und Zeitungsreportagen zu tun haben – stets erscheinen politische Äußerungen in inszenierter Form. Zudem ist Form selbst, etwa als Parodie, Montage und Verfremdung, in diversen historischen Milieus (wiederholt und emphatisch v.a. im 19. und 20. Jahrhundert) mit politischem Gehalt aufgeladen worden. Die Analyse diverser Erscheinungsformen einer solchen Ästhetik des Politischen steht im Zentrum dieses Themenheftes. Dabei gesellen sich vorrangig methodologisch ausgerichtete Untersuchungen zu solchen, die eher von breit angelegten historischen Recherche-Unternehmungen her argumentieren. Allen Arbeiten gemeinsam ist jedoch, dass sie transdisziplinär verfahren und Methoden der Geschichtsschreibung mit solchen der Kunst, der Philosophie, der Politikwissenschaft, der Kunstgeschichte, der Kulturwissenschaft und der ästhetischen Theorie verknüpfen.

Die hier präsenten Aufsätze stellen sich so einer immer noch recht weit verbreiteten Sicht entgegen, die eine »Ästhetisierung des Politischen« als ein vermeidbares Übel darstellt und von einer »Politisierung der Kunst« abgrenzt. Nicht, ob das Politische in ästhetischer Form auftritt oder nicht, steht in ihnen zur Debatte, sondern in welchen Inszenierungsformen politische Äußerungen von welchen ganz spezifischen Akteuren und Akteurinnen in eine noch weiter zu skizzierende Auseinandersetzung entlassen werden, in der immer schon diverse, auch ästhetisch differente Positionen um Anerkennung ringen.Weiters wird gefragt, in welchem Verhältnis das solcherart inszenierte Politische zum Feld der Kunst steht. Der umrissene Zeitrahmen reicht in etwa vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart,wobei der Schwerpunkt jedoch auf dem 20. Jahrhundert liegt.

Die Themenstellung »Ästhetik des Politischen« legt nahe, dass es einen Unterschied zwischen ›dem Politischen‹ und ›Politik‹ gibt – womit die zweite Prämisse angesprochen ist, die den hier versammelten Beiträgen zu Grunde liegt. Denn diese gehen mehr oder weniger explizit davon aus, dass ›das Politische‹ weiter gefasst ist als ›Politik‹ und setzen sich mit der Beziehung zwischen den beiden auseinander. Folgende Basisdefinition für diese beiden Begriffe kann an dieser Stelle angegeben werden: ›Politisch‹ werden all jene Handlungen, Inszenierungen und Sichtweisen genannt,welche die grundsätzliche Offenheit unseres gegenseitigen Austausches nutzen, um strukturelle Prinzipen der Gesellschaft in Frage zu stellen und um Ordnungen für ein solches Sich-Austauschen vorzuschlagen. Der Begriff der ›Politik‹ bezeichnet demgegenüber einen separaten sozialen Komplex, der diese prekäre Logik des Politischen handhabt. ›Das Politische‹ und ›Politik im engeren Sinn‹ stehen demnach in Beziehung zueinander, fallen aber nicht in eins. Die Aufsätze in diesem Band, die sich dem Kino, dem Internet, der Mode oder der Performance der Straße widmen, zeigen, dass im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr kulturelle Erscheinungformen und -orte politisch besetzt und mit ›Politik im engeren Sinn‹ in neue Verhältnisse gesetzt worden sind. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von eher methodologisch ausgerichteten Texten, die das Verhältnis des Politischen zur Politik sowie die ästhetischen Auftrittsformen beider untersuchen.

Der politische Raum ist, um mit Hannah Arendt zu sprechen, ein »Erscheinungsraum«, in dem unterschiedliche Stimmen und Perspektiven in Auseinandersetzung stehen. Die hier versammelten Aufsätze und Projektpräsentationen zeigen, dass dieses Konzept des ›Erscheinungsraums‹ sehr wohl – auch wenn Arendt selbst dies nicht geleistet hat – mit Untersuchungen des Kinos und anderer Medienkanäle, von populärer Alltagskultur, von Protestbewegungen und Gegenwartskunst – verknüpft werden kann. »Erscheinen« meint also auch filmisch zu erscheinen, bestimmte Kleiderstile zu kreieren, parodistisch zu argumentieren, zu demonstrieren, gewisse Orte »quer zu lesen«, im Internet präsent zu sein etc. All die dabei involvierten Räume, visuellen Welten oder Hör-Stücke gehen ihr Publikum nicht immer in derselben Weise an: In diesem politischen Erscheinungsraum kommt es unter Umständen zu herausragenden, signifikanten Momenten der Wahrnehmung, über die wir uns heute in erster Linie zu Gemeinschaften verbinden (und von anderen Gemeinschaften absetzen). Damit möchte ich zum Schluss dieser Einleitung auf das in diesem Heft abgedruckte Interview mit Jean-Luc Nancy zum Thema Signifikante Ereignisse der Wahrnehmung und das Entstehen von Gemeinschaften und Geschichten hinweisen, in dem viele der in den einzelnen Beiträgen aufgeworfenen Fragen nochmals gegen den Strich gelesen und diskutiert werden. Darüber hinaus bleibt es aber jedem Leser und jeder Leserin selbst überlassen, einen roten Faden durch die in diesem Band versammelten Lesarten von Inszenierungen des Politischen zu legen.




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